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Deutschlands unfassendstes Werk zum Thema Telemedizin, E-Health und Telematik im Gesundheitswesen

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Projekt Netc@rds: Von der EHIC zur eEHIC PDF E-Mail
Ein Stück europäische Integration geht von Baden-Württemberg aus

Christopher Hermann, Stv. Vorsitzender des Vorstandes der AOK Baden-Württemberg

Das Prinzip der kleinen Dinge, die große Wirkung entfalten können, gilt offensichtlich auch im hochentwickelten Industriezeitalter immer noch. Zumindest ist es gerade einmal ein starkes Jahr her, dass der für die Länder der Europäischen Union geltende papiergebundene Auslandskrankenschein „E 111“ mit den Beschlüssen der Europäischen Kommission durch die europablaue „European Health Insurance Card“ (EHIC) im Scheckkartenformat ersetzt wurde. Zweifelsohne ein Fortschritt. Das kleine Ding, das schon jetzt große Wirkung entfaltet, ist das „e“ vor der EHIC. Konkret: Die AOK Baden-Württemberg ist als Modellkrankenkasse für Deutschland daran beteiligt, die Elektronifizierung der EHIC mitzugestalten und dies im Rahmen des Projekts Netc@rds in Tests für ihre Versicherten und für Besucher aus europäischen Ländern in Deutschland umzusetzen. Mit guten Erfahrungen, wie die Umsetzung in den Pilotregionen zeigt.

Handlungsbedarf – Wo liegen die Erfordernisse?

Das „über- und zwischenstaatliche Recht“ – so der Fachbe griff für die Regelungen des Zugangs und der Abrechnung von Leistungen für Versicherte in und unter Staaten, mit denen jeweils ein Sozialversicherungsabkommen besteht – hat auch im Zeitalter des Datenaustausches und der elektronischen Meldeverfahren weiterhin viele Dutzende Formulare zu bieten. Papier, das weite und zeitintensive Wege zurücklegt. Der Auslandskrankenschein „E 111“ des Österreichers, der sich heute bei einem Besuch in Baden-Württemberg beispielsweise in Freiburg wegen einer akuten Grippe behandeln lässt, wandert zunächst zur dortigen aushelfenden AOK, liefert den Anstoß für das Abrechnungsverfahren mit der Deutschen Verbindungsstelle Krankenversicherung – Ausland (DVKA) in Bonn, die alle Unterlagen wiederum bündelt und sie an die benachbarte Verbindungsstelle nach Wien schickt, welche die zuständige Gebietskrankenkasse des österreichischen Bürgers feststellt und die Abrechnung zur Begleichung in Form von Umlagen an diese Krankenkasse schickt. Ein Verfahren, das letztlich Jahre dauert und mit seinen ganzen bürokratischen Wegen sicher nicht den Erfordernissen des europäischen Integrationsgedankens entspricht.

Netc@rds-Entwicklungen und erste Erfolge

Sieben Datenelemente sind optisch lesbar auf der EHIC aufgetragen. Diese Angaben genügen, um auf Reisen oder während des Studiums innerhalb der Staaten der Europäischen Union medizinisch versorgt zu sein. Nur: Diese Daten müssen beim Leistungserbringer entweder manuell erfasst oder kopiert werden. Mit der Ausschreibung und Unterstützung des Projekts Netc@rds zielt die Europäische Kommission darauf ab, das künftige Verfahren der elektronischen Auslesbarkeit in Partnerländern entwickeln und testen zu lassen. Ein wesentlicher erster Erfolg besteht darin, dass der Startschuss zur Umsetzung von Netc@rds bereits in vier Modellregionen Europas gegeben werden konnte:

  • Im Spätsommer 2004 zur Olympiade und den Paralympics in Griechenland (hier sind 14 Krankenhäuser als Piloteinrichtungen beteiligt),
  • Im März 2005 in den von der AOK Baden-Württemberg eingebrachten Pilotregionen Deutschlands (in der Ortenau und in Freiburg sind zunächst vier Krankenhäuser beteiligt),
  • Im Mai 2005 in Frankreich (der Start erfolgte dort in zwei zentral gelegenen Kliniken in Paris),
  • Ebenfalls im Mai 2005 in Italien (dort beteiligen sich zunächst drei, später sechs Krankenhäuser in der Seenregion Norditaliens bis nach Venezien).

Konkret bedeutet dies, dass die jeweils nationale Krankenversichertenkarte des Bürgers aus einem an Netc@rds teilnehmenden Mitgliedstaat der Europäischen Union in der Piloteinrichtung des besuchten Landes elektronisch ausgelesen werden kann und somit das aufwändige, zeitintensive und fehlerbehaftete Abschreiben oder Kopieren ersetzt.

Vorteile und die Notwendigkeit der Weiterentwicklung

Die AOK Baden-Württemberg hat mit dem Start der Net c@rds-Umsetzung in den vier Pilot-Krankenhäusern in Freiburg, Kehl, Herbolzheim und Ettenheim sehr gute Erfahrungen gemacht. Neben der ausdrücklich positiven Berichterstattung in den Medien ergeben sich für die Beteiligten folgende Vorteile:

Versicherte:
Bürger aus Nachbarstaaten werden allein bei Vorlage ihrer nationalen Krankenversichertenkarte ohne weitere Papierformulare abkommensgemäß behandelt. Im Gegenzug ergeben sich für Versicherte der AOK Baden-Württemberg bei einem Besuch in einem Netc@rds-Partnerland dieselben Vorteile: Elektronische Auslesbarkeit bedeutet Vereinfachungen, die zu einer schnellen, unbürokratischen Behandlung führen.

Pilot-Krankenhäuser:
Für die beteiligten Pilot-Krankenhäuser erübrigt sich das Kopieren oder Abschreiben der EHIC. Verwaltungsprozesse können verschlankt werden. Außerdem liegen ihnen mit der Auslesbarkeit klare Angaben über den Versicherten für die Abrechnung vor.

Pilot-Krankenkasse:

Der Weg zum Ersatz der papiergebundenen Verfahren ist eingeschlagen und in erster Schritten umgesetzt. Dies kann positiv vermarktet werden, was zum Bekanntheitsgrad des neuen Verfahrens und zur Akzeptanz beiträgt.

Europäische Kommission:

Wenige Wochen nach dem Pilotstart kann die AOK Baden-Württemberg der Europäischen Kommission zur Evaluation des Projekts klare – natürlich anonymisierte – Angaben über entstandene Fälle und deren Abwicklung machen. Der Beleg, dass die Technik funktioniert, wird dadurch erbracht. Darüber hinaus entsteht Klarheit, dass die ersten Schritte erfolgreich umgesetzt sind und nun Wei terentwicklungen angegangen werden können.

Die Auslesbarkeit europäischer Krankenversichertenkarten kann als „Schritt 1“ der Netc@rds-Zielsetzung verstanden werden. Dies ist jedoch steigerungsfähig. In einem zweiten Schritt werden die Karten interoperabel. Die auf der EHIC aufgetragenen Daten können im Rahmen einer Online-Mitgliedschaftsprüfung über sichere Server-Verbindungen transnational vom integrierten Chip ausgelesen werden. Was in der Entwicklung aufwändig klingt, hat bei der AOK Baden-Württemberg längst das Stadium des Konzepts in der Schublade überschritten: Gemeinsam mit dem Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland (ZI), Berlin, laufen die Prozesse zur praktischen Umsetzung der Online-Mitgliedschaftsprüfung auf Hochtouren. Entsprechende Kartenlesegeräte, die ebenfalls „europäisch denken“, stellt die Industrie bereits zur Verfügung.

Zusammenfassung und Ausblick

In vielen Ländern der Europäischen Union werden in den folgenden Jahren neue Krankenversichertenkarten eingeführt; smart cards ersetzen vielerorts die einfachen Speicher-(Memory-)Karten. Auf der Rückseite wird die „European Health Insurance Card“ (EHIC) optisch mit sieben Datenelementen (Name des Versicherten, Kassen- /Kartennummer, Gültigkeit usw.) aufgetragen. Netc@rds verfolgt die Zielsetzung der Elektronifizierung und damit den Prozess von der EHIC zur eEHIC. Dies geschieht zunächst durch Auslesbarkeit, kurzfristig schon durch Gültigkeitsprüfungen auf Basis eines gesicherten Validitäts-Checks über das Internet. In enger Partnerschaft mit dem Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in der BRD (ZI) ist die AOK Baden-Württemberg als Modellkrankenkasse für Deutschland an Netc@rds beteiligt. Damit werden nationale Krankenversichertenkarten interoperabel; die Patientenmobilität in Europa wird gefördert. Es ist zu erwarten, dass die Europäische Kommission nach Vorlage erster Evaluationsergebnisse die Verfahren für weitere und schließlich alle Länder der EU übernehmen wird. Der Europäische Ministerrat hat bereits im März 2002 in Barcelona die Zukunft einer europäischen Gesundheitskarte beschlossen; die ersten Schritte sind damit getan, weitere folgen.

Beitritt aller AOKs und Chancen der Fußball-Weltmeisterschaft

In Zukunft können alle AOK-Versicherten von den Netc@rds-Vorteilen (einfacher Zugang, Behandlung ohne zusätzliche Privatkosten) profitieren. Während die AOK Baden-Württemberg weiterhin das Projekt im AOK-System koordiniert, sind alle weiteren Landes-AOKs beigetreten. Dadurch ergeben sich neue Chancen im Hinblick auf die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Bereits zur Olympiade 2004 in Athen liefen erste Netc@rds-Tests; im Herbst 2005 werden erste Gespräche mit deutschen Krankenhäusern nahe der Spielstädte und -stadien geführt, um WM-Besuchern dort einen besonderen Service anbieten zu können.


Kontakt
Dr. Christopher Hermann

Stv. Vorsitzender des Vorstandes
der AOK Baden-Württemberg
AOK Baden-Württemberg
Hauptverwaltung
Heilbronner Straße 184
70191 Stuttgart
Tel.: 07 11/ 2 59 31 10
Dr. Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können

Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland
Herbert-Lewin-Platz 3
10623 Berlin
Tel.: 0 30/ 40 05 24 01
Fax: 030/ 39 49 37 39
www.zi-berlin.de


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