Stimmen zum Telemedizinführer Deutschland

...“Telemedizin und e-Health und die damit verbundenen Möglichkeiten telemedizinischer Dienstleistungen sind nicht nur große Chancen für die deutsche Gesundheitsbranche, sondern sollten auch für eine stärkere Positionierung im internationalen Wettbewerb genutzt werden.
 

Deutschlands unfassendstes Werk zum Thema Telemedizin, E-Health und Telematik im Gesundheitswesen

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Der vernetzte Egoist ist gesundheitlich anfälliger PDF E-Mail

Johann Günther


1 Einleitung

Haben sich Menschen durch neue Technologien verändert? Ist dies beweisbar? Werkzeuge wie das Mobiltelefon hat es vor 50 Jahren noch nicht gegeben. Womit kann man das vergleichen?

Meteorologen können auf Vergangenheitsdaten zurückgreifen, die mit heutigen Messungen relativierbar sind. Temperatur- und Niederschlagsmessungen sind heute so wie vor 100 Jahren. Deswegen ist es möglich heute zu sagen, dass der Monat Juni 2003 in Zentraleuropa der heißeste seit 1935 war.

So einfach haben wir es mit der Verwendung und deren Einfluss von neuen Technologien nicht. Vergleichdaten fehlen. Trotzdem kam es zu Veränderungen. Internet- und Mobiltelefonuser sind andere Menschen als jene ohne Automobil und ohne Telefon.

Fernsehen und Radio hat das Kommunikationsverhalten des Menschen verändert. Mobiltelefon und Internet hat weiteren Einfluss. Wie ist das Verhalten dieser Menschen mit Informations- und Kommunikations-Technologien? Auf Vergleichswerte wie sie die oben beschriebenen Meteorologen haben, wurden Einflussfaktoren und deren Auswirkungen untersucht.

Der Mensch besitzt und besaß schon immer eine innere Triebfeder, die in zu egoistischem Handeln führte. Die Seele des Menschen verlangt danach. Ein Faktum, das schwer definierbar ist, weswegen auf ein persisches Märchen verwiesen sei:

Gott schuf den Menschen aus Ton. Als der Körper fertig war wollte er ihm die Seele einpflanzen. Die Seele weigerte sich aber. Sie wollte nicht im Körper beengt sein. Sie wollte die Freiheit und Weite genießen. Die Seele liebte Musik. Um diese aber besser zu hören schlüpfte sie dann doch in den menschlichen Körper um mit Hilfe des Ohrs die Musik besser zu hören. Und in diesem Körper richtet sie nun Gutes und Schlechtes an.

Egoismus – das ist doch negativ besetzt. Der Philosoph Ludwig Feuerbach ordnet den Egoisten Attribute wie „böse“, „unmenschlich“ und „herzlos“ zu. Egoisten würden mit anderen Menschen nur schwer zusammenleben können.

Was ist negativ? Was ist positiv?

Hermann Hesse macht in seinem Roman „Demian“ Kain, der seinen Bruder Abel erschlagen hatte, zum Auserwählten. Er schafft einen eigenen Gott und nennt ihn „Abraxas“. Dieser Gott unterscheidet nicht zwischen Gut und Böse.

Gibt es auch einen gesunden Egoismus? Er fällt unter Selbstliebe; eine Eigenschaft, die ebenso notwendig ist, denn vom „Ich“ finden wir zum „Du“, also zum Akzeptieren und Miteinander agieren.

Solange die Menschen Dinge in limitierter Anzahl verfügbar hatten, waren sie gewohnt zu teilen. In einer Zeit des Überflusses in entwickelten Märkten, die sich aus Käufern orientieren, geht das Teilen zunehmend verloren. Niemand würde auf die Idee kommen sein Mobiltelefon mit jemandem zu teilen. Jeder hat ein eigenes Auto. Selbst wenn eines der Familienmitglieder sein Fahrzeug zum Service bringen muss ist es in vielen Familien schwierig ein Familienmitglied zum mitfahren zu finden. Man will nicht teilen. Eine Generation vorher konnte dasselbe Phänomen bei Fahrrädern festgestellt werden. Ein Fahrrad borgte man nicht gerne her.

Die Moral ändert sich aber auch im Laufe eines Lebens.

  • In der Jugendzeit wird der Mensch stärker von egozentrischem Verhalten geprägt. Es geht um das eigene Überleben.
  • In einer zweiten Stufe kommt das Verantwortungsgefühl für andere.
  • Dem folgt eine Phase, in der das Wohlergehen des anderen vor dem des eigenen Befindens gereiht wird.
  • Erst in der letzten Stufe entsteht ein Gleichgewicht zwischen dem Ich und dem Du.

Schon das Kleinkind muss sich behaupten und durchsetzen und Egoismus anwenden. Der Philosoph C. G. Jung nannte es „Der Vogel kämpft sich aus dem Ei“. Von der Geburt bis zum Tod muss er sich behaupten und seine Kraft einsetzen um bestehen zu können.

Die katholische Kirche sagt „Liebe Deinen Nächsten“. Das ist ein hohes Ziel. Der Mensch liebt sich erst einmal selbst. „Nichts vermag der Mensch so zu lieben wie sich selbst. Nichts vermag der Mensch so zu fürchten wie sich selbst.“ So entstand zugleich mit den anderen Mythologien, Geboten und Religionen des primitiven Menschen auch jenes seltsame Übertragungs- und Scheinsystem, nach welchem die Liebe des einzelnen zu sich selber, auf welcher das Leben ruht, dem Menschen für verboten galt und verheimlicht, verborgen, maskiert werden musste. Einen anderen zu lieben galt für besser, für sittlicher, für edler, als sich selbst zu lieben. Und da die Eigenliebe nun doch einmal der Untrieb war und die Nächstenliebe neben ihr niemals recht gedeihen konnte, erfand man sich eine maskierte, erhöhte, stilisierte Selbstliebe, in Form einer Art von Nächstenliebe auf Gegenseitigkeit.“

Mehr zu besitzen als die anderen war schon immer ein Ziel. Noch heute sind in Bologna die Reste von Geschlechtertürmen zu sehen, die einst das Ansehen der herrschenden Familienclans zum Ausdruck brachten. Es galt eine einfache Regel: Je höher der Turm, desto höher das Prestige. Ließ sich eine der Familien etwas zuschulden kommen, so konnte der Magistrat eine Kürzung des Turmes festsetzen, deren Ausmaß von der Schwere des Vergehens abhing. Die Türme waren nur noch eine besonders aufwendige Darstellungsweise für Rangverhältnisse; sie übersetzten soziale Abstufungen in ein Gefälle von Höhenmaßen.“

In der heutigen Zeit hat der Privatbesitz zugenommen und die Mittelschichtgesellschaft ist größer geworden. Beides stellt einen Nährboden für zunehmenden Egoismus dar.

Dieser Typ des modernen Egoismus wird symbolisiert durch den „Yuppie“. Für den Yuppie dominieren Leistung und wirtschaftlicher Erfolg. Zwischenmenschliche Beziehungen treten in den Hintergrund. Der typische Yuppie ist Single und unterhält Partnerschaften auf Distanz.

2 Sport

Gesundheit beginnt in der wirtschaftlich entwickelten Welt schon im vorsorgenden Bereich. Menschen investieren Geld, um gar nicht zu erkranken. Sie betreiben aber auch Sport, um sich jung und gesund zu erhalten.

Es beginnt bereits bei der Konsumation von Sport. Er wird uns im Fernsehen und im Hörfunk in konzentrierter Form geboten. Man muss den Sport an sich nicht mehr erleben. Der Zuschauer kann Zeit sparen. Es werden ihm nur die Höhepunkte gezeigt. Im Fußball sind das in wenigen Sekunden alle Tore. Es ist nicht notwendig 90 Minuten zu schauen. Der Regisseur der Sportsendung liefert ihm nur die Torhöhepunkte.

Ähnlich ist es beim Ski fahren: die besten 10 Fahrer werden in der Sendung eingeblendet und der Rest, die schlechteren Sportler werden nicht mehr konsumiert. Ein 2003 eingeführtes neues FIFA Reglement bewies dies. Die besten 30 starteten im Slalom in umgekehrter Reihenfolge. Das Ergebnis waren niedrige Einschaltquoten und „fades“ Programm.

Der Mensch ist immer weniger bereit sich in ein Team einzugliedern. Sportarten, bei denen er alleine mit sich beschäftigt ist nehmen zu. Auch ist er weniger bereit sich in einen Verein einzugliedern. Zwischen 1950 und 1990 stieg die Anzahl der Vereine in Österreich von 4.000 auf 14.000. Im Jahr 2000 waren es nur mehr 12.000. Dafür gibt es immer mehr Privatunternehmen wie Fitnessstudios, wo jeder kommen und gehen kann, wann er will. Vereine sind etwas soziales, geselliges, während die Fitnessstudios wieder dem vernetzten Egoisten zu Gute kommen.

Das System der Vereine und vor allem der Dachverbände war einzigartig. Diese Entwicklung kam aus den USA und Großbritannien, wo der Sport über den Bildungsbereich institutionalisiert wurde. Ebenfalls vom Bildungsministerium gefördert entstanden in Zentraleuropa Vereine.

Das Engagement in sportlichen Vereinen hängt mit den familiären Bindungen zusammen. Wenn Eltern in Funktionen aktiv waren übernehmen es auch die Kinder.

Der typisch moderne Sportmensch ist der „Fitness-Studio-Mensch“. Er ist ein klassischer Narzist und trennt sich immer stärker von sich selbst.

Der Sport ist auch ein Instrument um das menschliche Leben zu verlängern. Menschen betreiben Sport, weil sie sich davon mehr Lebensjahre und jüngeres Aussehen erwarten.

Aber auch der Spitzensportler versucht sein „Sportleben“, also seinen Einsatz als Sportler zu verlängern. Daneben will er durch Manipulationen seine Werte verbessern, um immer weiter, schneller, höher zu kommen. Doping ist eine Möglichkeit. Aber auch im legalen Bereich versucht man das Training optimal zu gestalten. Pulsuhren messen die ideale Herzfrequenz. Laktattests zeigen die bestmögliche Sauerstoffaufnahme. Alles Manipulationen, um an die Grenzen der Leistungsfähigkeit zu gehen.

In Berlin haben die Jogger haben im Jahr 2002 um 300.000 zugenommen. Laufevents wie der Berlin-Marathon zählte 2002 40.000 Teilnehmer, was seit 1997 einer Verdopplung entspricht.

Sport und Gesundheit hängen eng zusammen. Menschen machen in der technisierten Welt weniger Bewegung. Zum Ausgleich der fehlenden körperlichen Belastung wird der Körper in der Freizeit, beim Sport gefordert. Selbst traditionell körperlich anspruchsvolle Berufe wie der des Bauern oder Stahlarbeiters bringt durch maschinelle Unterstützung – also durch Robotereinsatz – weniger körperliche Belastung. Auch der Bauer muss zum Ausgleich seinen Körper trainieren.

Auch sind körperlich anstrengende Arbeiten gefragt. Der Vorstandsdirektor arbeitet zum Wochenende beim Bauern und mistet ihm den Stall händisch aus. Er sucht die körperliche Herausforderung und Belastung.

Sport ersetzt, was früher der Beruf geboten oder gefordert hat. Der Hintergedanke ist die Lebensverlängerung. Ein gesunder und trainierter Körper erlaubt ein längeres Leben. Ein sportlicher Körper wirkt jünger und das wollen alle sein; Sport als Jungbrunnen...

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Titel:
Der vernetzte Egoist ist gesundheitlich anfälliger
Artikel ist erschienen in:
Telemedizinführer Deutschland, Ausgabe 2004
Kontakt/Autor(en):Johann Günther
Seitenzahl:
6,5
Sonstiges

3 Abb., 4 Tab.

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